Bestimmung der Güteklassen von Olivenölen
Seit dem 01.09.2002 ist für die Güteklassenbestimmung eine neue
Verordnung in Kraft, die ab dem 01.11.2003 obligatorisch ist. Die Bestimmung
der Güteklassen erfolgt über zwei verschiedene Analysen:
1. Chemisch-physikalische
Analyse
Hier werden 27 Parameter (z.B. Gehalt an freier Fettsäure, Peroxidzahl,
Halogenierte Lösungsmittel, Wachse) auf festgelegte Höchst- oder Mindestwerte
geprüft. Entspricht nur ein Parameter nicht den entsprechenden Werten,
muß das Öl einer anderen Kategorie zugeführt werden.
Wichtige Kriterien für die Beurteilung bieten Fettsäure-, Sterin- und
Triglyceridzusammensetzung des Olivenöls. Unter Berücksichtigung der natürlichen
Schwankungsbreite lassen sich Hinweise auf Vermischungen und Verfälschungen
mit anderen Ölen erhalten. So ist z.B. für die Zusammensetzung der Triglyceride
der Gehalt an Trilinolein charakteristisch. Während natives Olivenöl höchstens
0,5 % Trilinolein enthält, kommt dieses Triglycerid in einigen anderen
pflanzlichen Ölen in erheblich größeren Mengen vor. Besonders empfindlich
lassen sich Verfälschungen über die Sterinzusammensetzung nachweisen.
Charakteristisch für das Olivenöl ist sein hoher Gehalt an ß-Sitosterin.
Erhöhte Gehalte an Brassicasterin weisen auf eine Vermischung mit Raps-/Rüböl
hin, größere Mengen an Stigmasterin lassen Sojaöl vermuten. Von besonderem
Interesse ist auch der Nachweis der Verfälschung von Olivenöl durch den
Zusatz von Oliventresteröl. Letztere können u.a. über den erhöhten Wachsgehalt
des Öls nach gewiesen werden. Wachse sind Ester langkettiger Fettsäuren
mit langkettigen Alkoholen, die eine Schutzschicht auf der Schale der
Olive bilden. Die Wachse gehen mit anderen Fettbegleitstoffen beim Pressen,
vor allem aber bei der Extraktion mit Lösungsmitteln in das Öl über. Extrahierte
Öle zeigen daher deutlich höhere Gehalte an Wachsen, Triterpenen und Sterinen.
Bestimmte Behandlungsverfahren wie z.B. eine Raffination der Öle lassen
sich u.a. über UV-Spektrographische-Untersuchungen und über die Bestimmung
von Trans-Fettsäuren nachweisen. Darüber hinaus kann das Olivenöl durch
sogenannte Esteröle verfälscht werden. Esteröle werden durch Veresterung
entsprechender Fettsäuren mit Glyzerin synthetisch hergestellt. Diese
Öle haben - auch bei gleicher Fettsäurezusammensetzung - eine andere Triglyceridstruktur
als das Olivenöl. Sie können daher nach einer enzymatischen Spaltung der
Triglyceride über eine gaschromatographische Analyse der in 2-Stellung
der Triglyceride veresterten gesättigten Fettsäuren nachgewiesen werden.
2. Sensorische Prüfung (gilt nur für native
Olivenöle)
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Hier wird durch ein anerkanntes
Panel (Ein Testgremium, das aus einer Gruppe von 8-12 eigens geschulten
Testern besteht), das Öl auf sensorische Fehl- und Positiv-Attribute
(Fruchtigkeit, Bitterkeit, Schärfe) und deren jeweilige Intensität
prüft. Die Prüfmethode ist durch das Internationale Olive Oil Council
bereits jahrelang erprobt und verfügt über klare Parameter. Werden
Fehlattribute über einer definierten Intensität entdeckt, muss das
Öl einer niedrigeren Kategorie zugeführt werden. Sensorische Feinheiten
wie zusätzliche Geschmacksanzeichen nach Apfel, Artischocken, Bittermandel
etc. bleiben bei diesem Test unbeachtet und unterliegen den subjektiven
Empfindungen der Konsumenten. |
Besonders bemerkenswert ist die Geschmacksvielfalt
der Olivenöle. Wie beim Wein hängt der Geschmack unmittelbar von der Sorte,
dem Anbaugebiet, der Erntezeit und dem Klima ab. Die Feststellung der
sensorischen Eigenschaften nativer Olivenöle stellt daher eine wichtige
Ergänzung der chemischen Analyse dar und kann im Einzelfall, selbst wenn
die chemischen Charakteristika für die Kategorie erfüllt sind, zu einer
Abwertung des Öls führen. Die sensorische Bewertung erfolgt nach einem
Punktschema, bei dem das native Olivenöl extra 6,5 bis 9 Punkt erreichen
muß. Native Olivenöle extra zeichnen sich vor allem durch eine ausgeprägte
Fruchtigkeit und völlige Fehlerfreiheit aus. Mit abnehmender Fruchtigkeit
und zunehmend wahrnehmbaren Fehlern verringert sich die Punktzahl und
damit die Qualitätseinstufung. Natives Olivenöl mit einer Punktzahl kleiner
als 3,5 ist nicht mehr verzehrsfähig und muß als Lampantöl eingestuft
werden. Weitere positive Geschmacksrichtungen sind scharf, bitter und
süß. Auf der anderen Seite können aber auch Fehler auftreten, die sich
geschmacklich bemerkbar machen. Neben der Verwendung nicht erntefrischer
Oliven führen auch falsche Lagerbedingungen zu negativen sensorischen
Eigenschaften. Zum Wahrnehmungsprofil der Mängel gehören z.B. die Attribute
ranzig, wein- bzw. essigartig, schlammig, modrig-feucht oder sonstige
unangenehme Merkmale.
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